Sonntag, 15. September 2013

Tuttotessuto

I just wanted to promote a little the shop of my aunt. As some of you know I made photos of her stuff for her website, which is finally online since today in the morning. We are all pretty excited. At the moment it's only in german, but soon we also want to have it all in english.

 T U T T O T E S S U T O

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If you are already thinking about what you could get your grandmother for christmas, here is your chance!
Please check it out!


Bonjour Tristesse von Françoise Sagan

Sorry, german.


Dies is ein Eintrag geschrieben schon vor Jahrhunderten, als ich das Buch gelesen hatte. Bis jetzt hatte ich es nur verplant ihn auf den Blog zu stellen. Vielleicht ist das auch ganz gut, denn die meisten Bücher, die ich bis jetzt gelesen habe, wollte ich nicht vorstellen, aus irgendwelchen Gründen. Meist weil ich sie für mich haben wollte. Vielleicht wissen ja einige, was ich meine. Das Buch, um das es heute geht, kommt diesmal aus Frankreich und stammt aus dem 50er Jahren. Auch hier habe ich wieder nur eine antiquarische Version, ohne Klappentext oder Buchrückentext, da der Umschlag des Buches fehlt, falls es den je gegeben hat, denn schließlich wurde dieses Buch in den 60 er Jahren gedruckt, wie ich dem Kleingedruckten auf den ersten Seiten entnehme.


Adieu tristesse                                                     Verlass mich Traurigkeit
Bonjour tristesse                                                  Kehr wieder Traurigkeit
Tu es inscrite dans les lignes du plafond             Du bist in das Gebälk meiner Träume geschrieben
Tu es inscrite dans les yeux que j'aime                Du bist in das Aug' das ich liebe geschrieben
Tu n'es pas tout à fait la misère                           Du bist nicht ganz letztes Elend
Car les lèvres les plus pauvres te dénoncent      Denn die Lippen der Ärmsten zeigen dich an
Par un sourire                                                      Mit einem Lächeln
Bonjour tristesse                                                  Komm Traurigkeit
Amour des corps aimables                                   Liebe liebenswerter Körper
Puissance de l'amour                                           Macht der Liebe
Dont l'amabilité surgit                                           Deren Lebenswille aufsteigt
Comme un monstre sans corps                            Wie ein Ungeheuer ohne Leib
Tête désappointée                                               Enttäuschtes Haupt
Tristesse beau visage                                          Traurigkeit schönes Antlitz
-P. Eluard (La vie immédiate)

Die Autorin, Françoise Sagan, war erst 18 Jahre alt, als sie dieses Buch schrieb und es wurde gewissermaßen berühmt über Nacht. Das Buch erschien 1954 und schon 1958 wurde es verfilmt mit Jean Seberg in der Hauptrolle der jungen Cécile. Dieses Mädchen verbringt mit 17 ihren Sommer an der Französischen Riviera zusammen mit ihrem Vater, bei dem sie erst seit 2 Jahren lebt. Vorher war sie in einem Internat. Der Vater ist ein Lebemann, weltlich, amoralisch und hat viele Affairen zu zahlreichen Frauen. Eine dieser Frauen, Elsa, nimmt er auch mit in diesen Sommerurlaub. Im Zusammenhang dazu wird Oscar Wilde zitiert mit: 'Die Sünde ist der einzige lebendige Farbfleck, der in der modernen Welt existiert.' Cécile behauptet, das sie ihr Leben darauf aufbauen könnte seit sie mit ihrem Vater zusammen lebt. 'In meiner Vorstellung entwarf ich mir ein Leben der Niedertracht und Gemeinheit.' Cécile selbst versucht ihren Vater zu imitieren und sucht sich ihre eigenen Flirts. Irgendwann kündigt sich Anne Larsen an, eine alte Freundin von Céciles Mutter, die sich schon des Öfteren ihr angenommen hat, das sie zur Sommervilla kommen wolle. Anne ist komplett anders, als die Frauen, die der Vater normalerweise hat. Sie ist kultiviert, gebildet, vornehm erzogen, intelligent und vor allem auch so alt wie er. Kurz darauf verlässt der Vater Elsa und verlobt sich mit Anne, die dann das Leben von Cécile und ihm von Grund auf verändert. Vor allem bei weitem mit mehr Einschränkungen. Es konzentriert sich dann stark auf die Beziehung von Cécile und Anne und wie erstere Versucht die Verlobung zu sabotieren. Sie holt Elsa zurück ins Spiel und versucht durch Manipulation ihren Vater dazu zu bringen, das dieser Anne fremd geht. Zwischenzeitlich ist sie sich nicht sicher, ob sie das alles durchziehen soll, doch letzten Endes tut sie es doch. Somit wird Anne, die sich eigentlich liebevoll und zärtlich um die beiden bemüht hat, verletzt und es folgt ein tragisches Ende, welches sich schon ab der Hälfte des Buches erahnen lässt.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil ist Cécile sehr naiv und kindlich, im zweiten mehr erwachsen, aber auch umso berechnender. Ich habe ein bisschen bei Wikipedia nachgelesen und dort wird analysiert, das Sagan zwei besondere Symbole verwendet. Zum einen das Meer und zum anderen die Sonne. Wenn Cécile eine Argumentation mit Anne verliert, rennt sie zum Meer, wie ein Kind zur Mutter, was suggeriert, das sie ihre Mutter vermisst. Anne möchte diese Rolle einnehmen und zunächst nimmt Cécile dies an, doch wenn sie erwachsener wird, rebelliert sie dagegen. Man merkt, im Laufe der Geschichte, wie verwirrt Cécile eigentlich ist. Am Ende hab ich mich fast gefragt, ob sie vielleicht ein bisschen dumm ist, weil sie einfach nicht weiß, was sie will, was richtig ist und falsch und was sie tun soll. Wahrscheinlich spielt der Vater auch eine große Rolle, da dieser nicht wirklich die Rolle eines Vaters einnimmt, sondern sie vielmehr wie eine Puppe behandelt. Er kauft ihr schönes Kleider und nimmt sie mit auf Parties und in Casinos.

Als das Buch damals veröffentlicht wurde, bekam die Autorin scharfe Kritik, da es um ein Mädchen ging, welches sich frei bewegte, ihre Sexualität auslebte und sich ihrem Körper und Geschlecht absolut bewusst war. Dies leitete allerdings dann auch die folgende Zeit ein.

Ein Textausschnitt für euch:
'Eines Nachmittags gingen wir zum Tee zu Cyrils [Céciles Verehrer] Mutter. Sie war eine alte Dame, ruhig und immer lächelnd, sie sprach zu uns über die Probleme der Witwe und die Probleme der Mutter. Mein Vater war voller Teilnahme, warf Anne dankbare Blicke zu und machte der Dame zahllose Komplimente. Ich muss hier gestehen, dass er niemals auf die Idee kam, seine Anstrengungen könnten vergeudet sein. Anne betrachtete dieses Schauspiel mit einem liebenswürdigen Lächeln. Auf dem Rückweg erklärte sie, dass sie die Dame ganz reizend fände. Ich begann heftig über alte Damen dieser Sorte zu schimpfen. Die anderen wandten mir ein nachsichtiges und amüsiertes Lächeln zu, und jetzt verlor ich jede Beherrschung:
'Ihr scheint nicht zu bemerken, dass sie äußerst zufrieden mit sich selber ist', schrie ich. 'Dass sie stolz und glücklich über ihr Leben ist, weil sie das angenehme Gefühl hat, ihre Aufgabe erfüllt zu haben und . . .'
'Aber es ist wahr', sagte Anne. 'Sie hat das, was man die Aufgabe einer Mutter und Gattin nennt, erfüllt . . .'
'Und die Aufgabe als Hure?' sagte ich.
'Ich habe Derbheiten nicht gern', sagte Anne, 'auch nicht, wenn sie paradox sind.'
'Aber das ist nicht paradox. Sie hat geheiratet, wie jeder heiratet, aus sinnlicher Begierde oder weil es sich so gehörte. Sie hat ein Kind gehabt – ihr wisst doch, wie man Kinder kriegt?'
'Sicher nicht so gut wie du', machte Anne sich lustig 'aber ich habe gewisse Vorstellungen davon.'
'Sie hat also dieses Kind aufgezogen. Die Aufregungen und Qualen eines Ehebruches hat sie sich wahrscheinlich erspart. Sie hat ein Leben gelebt wie tausend andere Frauen, und darauf ist sie stolz, versteht ihr, sie ist stolz darauf! Ihre Rolle war die einer gutbürgerlichen Frau und Mutter, und sie hat nichts getan, um ihr zu entrinnen. Sie rühmt sich, dies und das unterlassen zu haben, statt auf etwas Vollbrachtes stolz zu sein.'
'Du redest ziemlichen Unsinn', sagte mein Vater.
'Es ist frommer Selbstbetrug', rief ich. 'Nachher sagt man sich: 'Ich habe meine Pflicht getan', weil man nichts getan hat. Wenn sie es in dem Milieu, in dem sie geboren wurde, zu einem Straßenmädchen gebracht hätte – das wäre eine Leistung gewesen.'
'Deine Ansichten sind modern, aber ohne Wert', sagte Anne.
Vielleicht war es wahr. Ich dachte nicht anders, als ich redete, aber es war richtig, dass ich es von anderen gehört hatte. Dennoch waren mein Leben und das Leben meines Vaters auf dieser Theorie aufgebaut, und es verletzte mich, dass Anne sie verachtete. Man kann an wertlosen Dingen ebenso hängen wie an anderen. Aber Anne betrachtete mich nicht als ein denkendes Wesen.
Und plötzlich erschien es mir dringend, ja lebenswichtig, sie eines Besseren zu belehren. Ich ahnte weder, dass sich so bald eine Gelegenheit bieten, noch, dass ich sie ausnützen würde. Übrigens gab ich bereitwillig zu, dass ich in einem Monat vielleicht ganz anders über die Dinge denken würde, dass meine Überzeugungen nie lange anhielten. Ich hatte keine Veranlagung zu einer großen Seele!'


Schon wieder ein recht seltsames Buch, nicht für jeden Geschmack, aber wer J. D. Salinger mag, könnte dies auch mögen. Ich selbst halte es für einen sehr interessanten Klassiker, der mich stark beschäftigt hat.

Cheers~